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Die Naturschönheiten und die kulturellen Sehenswürdigkeiten
des Münsterlandes wollen entdeckt werden. Sie liegen oft
versteckt hinter dicken Bäumen oder geschützt durch
Gräfte, wie die künstlich angelegten Wassergräben
hier heißen. Auch die Bewohner sind eher zurückhaltend.
Zu ihnen passt das lärmfreie Radfahren abseits der Autostraßen.
Der Name der Region im Norden des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen
stammt von der 1 200 Jahre alten Stadt Münster, mit rund
280 000 Einwohnern heute die größte und wichtigste
Stadt der Region.
Landschaften
Das Münsterland ist geprägt durch seine typische Parklandschaft.
Mosaikartig reihen sich in den Ebenen saftige Viehweiden und fruchtbare
Ackerflächen aneinander, die von Wallhecken, Alleen und kleinen
Wäldern gesäumt werden. Typisch für die Region
sind die aus roten Ziegelsteinen mit Fachwerk errichteten Bauernhöfe.
Im Norden reicht das Münsterland bis zum Tecklenburger Land.
Am Übergang vom zentralen zum westlichen Münsterland
erheben sich die Baumberge. Berühmt ist der hellgelbe Baumberger
Sandstein, der beim Bau von Kirchen und Burgen verwendet wurde.
Im Westen grenzt das flache Hamaland an die Niederlande. Die ausgedehnten
Heideflächen und Sumpfgebiete sind teilweise unter Naturschutz
gestellt. Im Vogelschutzgebiet „Zwillbrocker Venn“
bei Vreden haben sich rosafarbene Flamingos angesiedelt, die aus
einem Zoo ausgerissen sind.
Im Süden verändert sich das Landschaftsbild durch die
Hügelketten von Haard und Hohe Mark mit ihren ausgedehnten
Wäldern entlang der Lippe.
Im östlichen Münsterland geht der schwere Lehmboden
allmählich in leichteren Sandboden über. Hier wächst
im Frühjahr der begehrte Spargel.

Geschichte
Die bekannte Geschichte begann um das Jahr 800, als der friesische
Missionar Liudger das Kloster „Monasterium“ gründete.
Kaiser Karl der Große erhob es zum Bischofssitz. Daraus
entwickelte sich die Stadt „Münster“.
Münster erlangte 1648 durch den „Westfälischen
Frieden“ weltweite Berühmheit. Am Ende monatelanger
Verhandlungen über die Beendigung des Dreißigjährigen
Krieges kamen im Oktober 1648 Kaiser Ferdinand III. und die Reichsstände
im katholischen Münster und im protestantischen Osnabrück
zusammen, um den „Westfälischen Frieden“ endgültig
zu beschließen und zu unterzeichnen .
Kunst und Kultur
Das Münsterland ist eine Region mit zahlreichen Kunst- und
Kulturschätzen. Zwei Namen sollen hier stellvertretend für
Künstler aller Bereiche genannt werden:
Annette von Droste-Hülshoff
Im Jahr 1797 wurde in der malerischen Wasserburg Hülshoff
rund 10 Kilometer westlich von Münster die berühmte
deutsche Dichterin Annette von Droste-Hülshoff geboren. Hier
verbrachte sie ihre Kindheit und Jugendzeit. Später lebte
sie vorwiegend im Haus Rüschhaus in Münster-Nienberge.
In der Abgeschiedenheit erlebte sie den Wandel der Natur in den
vier Jahreszeiten. Ihre Wahrnehmungen und Beobachtungen haben
sie zu ihren Erzählungen und Gedichten inspiriert.
Johann Conrad Schlaun
Mehr als einhundert Jahre vorher wurde in Noerde bei Warburg Johann
Conrad Schlaun geboren. Zu den zahlreichen Werken des westfälischen
Barockbaumeisters gehören Schlösser und Burgen, Kirchen
und Herrensitze.
Allein in der Stadt Münster sind drei seiner Bauwerke zu
besichtigen:
Der in den Jahren 1745 - 1753 als dreiflügeliges Stadtpalais
gefertigte Erbdrostenhof
gilt mit seiner schönen Barockfassade als eines der Meisterwerke
von J.C. Schlaun.
In unmittelbarer Nachbarschaft wurde zwischen 1745 - 1753 die
Clemenskirche errichtet, eine der bedeutendsten Sakralbauten in
Nordwestdeutschland.
Das letzte und aufwendigste Werk des Architekten und Baumeisters
in Münster ist das
mit vielen Figuren verzierte Fürstbischöfliche Residenzschloß.
Es entstand ab dem Jahr 1767 aus rotem Backstein und gelbem Sandstein.
Wasserschlösser
Im gesamten Münsterland sind mehr als 150 Wasserschlösser,
Burgen, Herrensitze und Gräftenhöfe zu sehen. Beim Bau
machte man sich eine natürliche Gegebenheit zunutze. Die
Burgen wurden inmitten von Sumpfgebieten erbaut und hatten meistens
nur einen Zugang. Später wurden die Burgen und Schlösser
durch Gräfte und zusätzliche Wallanlagen gesichert.
Manche Bauwerke sind nur von außen zu besichtigen. Andere
sind zu festgesetzten Zeiten geöffnet oder können nach
Voranmeldung bei Führungen besucht werden.
Das prunkvolle Wasserschloss Nordkirchen wird als „Westfälisches
Versailles“ bezeichnet. Es wurde vor rund 300 Jahren nach
französischem Vorbild auf einer von Gräften umgebenen
Insel erbaut. Das Schloß imponiert durch seine gewaltigen
Ausmaße und durch seine Symmetrie. Um das Schloß herum
ist ein weiträumiger Park angelegt. Teilweise ist die barocke
Gartengestaltung detailgetreu rekonstruiert worden.
Sehenswert ist die im Jahr 1271 errichtete „Ringmantelburg“
Vischering. Ursprünglich wurden die Oberburg und die Vorburg
auf zwei von dem Fluß Stever gebildeten Inseln angelegt,
die von einer moorigen Landschaft umgeben sind. Heute sind beide
Teile über eine Brücke zu erreichen.
Radfahren
Das Münsterland wird von Kennern als „Radwanderparadies“
gepriesen. Die überwiegend flache Landschaft mit ihren natürlichen
und historischen Sehenswürdigkeiten lädt zu einer „Pättkestour“
ein. Mit „Pättkes“ ist das dichte Netz von Feld-,
Wald- und Wiesenwegen abseits der vielbefahrenen Straßen
gemeint. Angeboten werden eine Fülle von örtlichen und
überregionalen Radwanderwegen. Wer kein eigenes Fahrrad zur
Verfügung hat, kann sich an 350 Stellen im Münsterland
ein Tourenrad ausleihen.
Die „Königin“ unter den Fahrradrouten des Münsterlandes
ist die „100 Schlösser-Route“ mit insgesamt 2
000 Kilometern Länge. Sie erreicht die meisten der rund 150
Wasserschlösser und Burgen, Adelssitze oder Gräftenhöfe.
Die Strecke für eine ein- oder mehrtägige Unternehmung
kann individuell gewählt werden. Radwanderkarten geben praktische
Hinweise.
Pferde
Das Münsterland ist auch berühmt wegen seiner Pferde.
Warendorf im östlichen Münsterland wird „Stadt
des Pferdes“ genannt. Seit vielen Jahrzehnten werden wertvolle
Reitpferde für den Hochleistungssport gezüchtet.
Wenige Kilometer westlich von Dülmen erstreckt sich die ursprüngliche
Landschaft des Merfelder Bruches. In einem rund 350 Hektar großen
Gelände leben rund 300 Wildpferde im letzten Wildpferdegestüt
Europas. Auf vorgeschriebenen Wegen können die Tiere beobachtet
werden. Einmal im Jahr, am letzten Samstag im Mai, werden unter
den Augen vieler tausend Zuschauer die einjährigen Hengste
eingefangen und anschließend versteigert.
Das Münsterland bietet außer den landschaftlichen
Schönheiten und historischen Sehenswürdigkeiten eine
breite Palette von attraktiven Freizeitangeboten zu Lande, zu
Wasser und in der Luft. Es lohnt sich, im Münsterland auf
Entdeckungsreise zu gehen.
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