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Vor rund 200 Jahren waren Engländer als erste von dem burgengekrönten
Tal mit den steilen Rebhängen zwischen Koblenz und Bingen,
zwischen Lahnstein und Rüdesheim begeistert. Seitdem zieht
das Loreleytal, wie diese Region genannt wird, immer mehr Besucher
aus dem In- und Ausland an. Heinrich von Kleist nannte diese Landschaft
des Mittelrheins den „Lustgarten der Natur". Dichter
wie Heinrich Heine und Clemens von Brentano haben ihre Schönheit
in Gedichten und Liedern in höchsten Tönen gelobt und
zum Inbegriff der „Romantik am Rhein" gemacht.
Der Rhein schlängelt sich in vielen Windungen durch die
bewaldeten Ausläufer von Taunus und Westerwald, von Hunsrück
und Eifel dahin. An beiden Ufern liegen die Winzerorte wie Perlen
an einer Schnur. Vor Jahrhunderten wurden Hänge gerodet und
Weinberge angelegt. Über jedem Ort ist auf der Höhe
eine Burg oder Burgruine zu sehen. Bei Bingen steht der Mäuseturm
und bei Kaub die Pfalz mitten im Fluss. Der berühmteste Punkt
aber ist der sagenumwobene und viel besungene Loreleyfelsen.
Fasziniert sind Besucher von den zahlreichen historischen Bauwerken,
die Geschichte und Geschichten erzählen: Sichtbare Spuren
hinterließen die Römer, die vom 1. Jahrhundert v.Chr.
bis Mitte des 5. Jahrhundert n.Chr. am Rhein waren. In Boppard
ist die Wehrmauer des Mitte des 4. Jahrhunderts ausgebauten Kastells
zu sehen, die ein Gelände von rund 4, 6 Hektar mit einer
Ausdehnung von 304 mal 154 Metern umschließt. Die damaligen
Bewohner besaßen ein Warmbad, dessen Wasser durch eine Fußbodenheizung
erwärmt und durch Kacheln gegen Abkühlung isoliert wurde.
Die Franken verdrängten im 5. Jahrhundert die Römer
vom Rhein. Einer ihrer Herrscher, der spätere Kaiser Karl
der Große, errichtete ab dem Jahr 788 in Ingelheim eine
Kaiserpfalz, wo in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten
eine Reihe von Reichsversammlungen stattfanden.
Die um das Jahr 1100 errichtete Marksburg oberhalb von Braubach
ist die einzige mittelalterliche Höhenburg am Mittelrhein,
die nie zerstört wurde. An den einzelnen Bauabschnitten lässt
sich gut erkennen, wie sich der Bau der Burgen vom Mittelalter
bis in die frühe Neuzeit entwickelt hat.
Burg Reichenstein bei Trechtingshausen war im 13. Jahrhundert
ein berüchtigter Raubrittersitz. Von hier startete ihr Anführer
Dietrich von Hohenfels zu seinen Raubzügen. Erst König
Rudolf I. von Habsburg konnte diesem Treiben Einhalt gebieten.
Er verurteilte den Raubritter und seine Söhne zum Tode. Eine
schaurig-schöne Sage berichtet, dass an der nahen Klemenskapelle
König Rudolf I. von Habsburg für die Söhne des
Raubritters ein „Gottesurteil" herausforderte.
In Bacharach und in Oberwesel findet der Besucher jeweils eine
Wernerkapelle. Die Entstehung beider Kapellen geht auf dieselbe
Legende zurück. Sie berichtet, dass am Tag seiner Erstkommunion
im Jahr 1287 der Knabe Werner ermordet und seine Leiche in Bacharach
an Land gespült wurde. Für den Mord machte man die Juden
verantwortlich.
Die beiden Burgen Sterrenberg und Liebenstein oberhalb von Kamp
– Bornhofen heißen im Volksmund die „Feindlichen
Brüder", weil sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts die
auf beiden Burgen ansässigen Familien wegen des Verkaufs
von Burg Sterrenberg verfeindeten.
Die Spottnamen von Burg Maus oberhalb von Wellmich und Burg Katz
oberhalb des benachbarten St. Goarshausen gehen zurück auf
die Rivalität zwischen dem Kurfürsten von Trier und
dem Grafen von Katzenelnbogen im 14. Jahrhundert.
Um den 132 Meter steil empor ragenden Loreley-Felsen drehen sich
viele Sagen und Geschichten. Sie haben ihren Ursprung in den natürlichen
Untiefen des Rheins mit gefährlichen Strudeln und Stromschnellen,
die bei den Schiffern gefürchtet waren. Viele Schiffe sind
beschädigt worden oder an ihnen zerschellt. So wurde die
Sagengestalt des schönen Mädchens erfunden, das die
Schiffer mit ihrer Schönheit geblendet und mit ihrem Gesang
betört hat, wie es Heinrich Heine in seinem Lied anschaulich
beschrieben hat.
In den Weinorten des Loreleytales wird der beliebte und geschätzte
Wein des Mittelrheins ausgeschenkt. Die Römer haben das Verdienst,
vor rund 2000 Jahren die Rebpflanzen nach Mitteleuropa gebracht
zu haben. Daraus entwickelte sich auch an den sonnigen Hängen
des Mittelrheins der Weinbau. Von einem Weinberg am rechten Rheinufer
ist bereits in der über 1300 Jahre alten Urkunde aus dem
Jahr 691 die Rede, in der erstmals der Name von Braubach genannt
wird.

Heute wird auf den Schieferhängen im Rheintal vor allem
Riesling angebaut, der als edelste Weißweintraube gilt.
Der Schiefer hat die Fähigkeit, gut die Wärme zu speichern
und nachts an die Pflanzen abzugeben. Die nach Süden geneigten
Reben im Windschatten der Höhen bekommen eine doppelte Portion
Sonne ab, weil die Wasserfläche des Rheins noch einmal die
Sonnenstrahlen reflektiert.
In allen Orten werden Weinproben mit fachkundigen Erklärungen
zum kennen lernen des einheimischen Weines veranstaltet.
Auch bei den zahlreichen Festen im Loreleytal gehört der
Wein dazu: In allen Orten des Loreleytales wird im Februar der
rheinische Karneval gefeiert. Über die Ortsgrenze bekannt
ist die Kiedricher Fastnacht. Zum Schnorrerfestival an Altweiberfastnacht
treffen sich viele ideenreiche und kunstvoll gefertigte Masken
zum Schnorren in den zahlreiche Gutsschänken und Straußwirtschaften.
Am letzten Sonntag im Juni veranstalten alle Gemeinden im Loreleytal
mit besonderen Veranstaltungen einen autofreien Sonntag unter
dem Motto „Tal to Tal". An diesem Tag gehören
die ansonsten vielbefahrenen Bundesstraßen den Spaziergängern
und Wanderern, den Radfahrern und Skatern.
An verschiedenen Orten des Rheintales wird an unterschiedlichen
Wochenenden im August und September die Großveranstaltung
„Rhein in Flammen" mit bengalischer Beleuchtung der
Ortszentren und Burgen durchgeführt. Höhepunkt und Abschluss
ist ein Großfeuerwerk. Auf dem Rhein formieren sich zwischen
30 und 50 illuminierte Schiffe, von denen das Spektakel besonders
gut mitzuerleben ist.
In allen Orten des Loreleytals werden in den Monaten August bis
Oktober mehrtägige Winzerfeste gefeiert, zu denen Besucher
aus nah und fern willkommen sind.
Bereits Mitte Mai wird in allen Winzerhöfen, Weinstuben
und Straußwirtschaften von Assmannshausen das Rotweinfest
gefeiert. Zum leuchtend roten Wein und rosa Weißherbst gibt
es rheinische Spezialitäten.
Die Schönheit des „Romantischen Mittelrheins"
kann man zu Lande, zu Wasser und aus der Luft genießen:
An den schmalen Uferstreifen verbinden linksrheinisch die Bundesstraße
B 9 und rechtsrheinisch die Bundesstraße B 42 alle Orte
am Rhein. Als Zubringer fungieren die Bundesautobahnen A 61 (linksrheinisch)
und A 3 (rechtsrheinisch), die bei Mainz durch die A 60 und bei
Koblenz durch die nach Luxemburg führende A 48 miteinander
verbunden sind. Der Autofahrer selbst kann aber die Landschaft
wegen der Konzentration auf den starken Verkehr nur flüchtig
wahrnehmen.
Die Weinorte an beiden Ufern des Rheins sind auch mit der Eisenbahn
zu erreichen. Die vielbefahrenen Eisenbahnlinien führen von
Mainz nach Bonn und von Wiesbaden nach Köln. Wer auf einer
dieser Strecken fährt, erlebt im „Schnelldurchlauf"
das romantische Rheintal.
Am gemütlichsten ist eine Schifffahrt auf dem Rhein. Fahrgastschiffe
der regionalen Schifffahrtsgesellschaften veranstalten Rundfahrten
zu den nächstgelegenen Sehenswürdigkeiten, Abendfahrten
mit Musik und Tanz an Bord und Sonderfahrten für Gruppen.
Überregionale Bedeutung hat die „Köln-Düsseldorfer,
Deutsche Rheinschifffahrt AG" mit ihren Schiffen der „Weißen
Flotte". Nach einem festen Fahrplan verkehren von Ende März
bis Ende Oktober die rund 25 KD-Schiffe (wie die Abkürzung
lautet) auf dem Rhein zwischen Mainz und Köln und von Koblenz
aus auf der Mosel. Eingesetzt werden alle Typen vom historischen
Schaufelraddampfer bis zum schnellen Tragflügelboot. Die
Fahrt kann bei jeder der 35 Anlegestellen unterbrochen werden,
um sich einen Ort anzusehen oder sogar zu übernachten.
Ein besonderes Erlebnis ist das Anschauen des „Romantischen
Mittelrheins" aus der Vogelperspektive bei einem Rundflug
mit einem Motor- oder Segelflugzeug.
Für aktive Urlauber wird die schöne Landschaft des
Mittelrheins beim Wandern oder Radfahren noch intensiver erlebbar:
Zu den attraktivsten Wanderstrecken am Rhein gehören die
beiden mit einem weißen „R" auf schwarzem Grund
markierten Rheinhöhenwege. Der linksrheinische von Bonn nach
Oppenheim hat eine Gesamtlänge von 240 Kilometern und der
rechtsrheinische von Wiesbaden bis Beuel von 272 Kilometern. Von
den Ortschaften gibt es Verbindungswege, die mit „RV"
bezeichnet sind, da die Höhenwege nicht immer ins Tal führen.
Jede einzelne Teilstrecke verläuft abseits der Hauptverkehrsstraßen
durch landschaftlich reizvolle Gebiete mit herrlichen Panoramablicken.
Die Landschaft des Rheingaus erschließt der Rheingauer
Riesling-Pfad. Der mit einem goldgelben, gekrönten Rheingauer
Römer auf grünem Grund markierte Wanderweg führt
durch Wälder und Weinberge zu allen Sehenswürdigkeiten
auf der rechten Rheinseite zwischen Lorch und Walluf.
Ebene Fahrradwege befinden sich parallel zu den beiden Bundesstraßen
rechts und links des Flusses. Ein besonders schönes Teilstück
führt direkt am Rheinufer auf alten Treidelpfaden.
Der Rheingauer Riesling-Radwanderweg führt über 62
Kilometer von Lorch bis Wicker und umgekehrt. Er ist mit einem
gekrönten Rheingauer Römer und einem Fahrrad auf grünem
Grund markiert. Die gut ausgeschilderte Strecke führt an
den Ufern von Rhein und Main entlang, teilweise auch durch Weinberge
abseits von Hauptverkehrsadern und Ortschaften.
Wer die gesamte Strecke zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen
will, dem bieten sich Kombinationsmöglichkeiten an. Teile
der Strecke können mit dem Schiff, per Bahn oder Bus zurückgelegt
werden. Auch der Wechsel auf die andere Flussseite ist mit einer
Fähre möglich. Wem es an einem Ort besonders gut gefällt,
kann dort beliebig lange verweilen.
Ein Aufenthalt am „Romantischen Mittelrhein" bietet
Romantik und Kultur, Natur und Gastlichkeit zu jeder Jahreszeit.
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